AOM "Volksbino" Typ 2

Die verherenden Berichte zum ersten "Volksbino" von AOM hatte ich noch gut im Gedächnis, als ich das "Volksbino 2" im Internet fand: neue Konstuktion, kein Vergleich mehr zu der ersten, weniger gut gelungenen Variante. Das liess bei mir dieses "auch haben will" - Gefühl aufkommen - schliesslich soll ein Bino erheblichen Beobachtungsspass bringen.

Immer noch skeptisch fragte ich bei Robert (HOO Germany) das Bino an. Er versprach mir, ein Exemplar direkt von AOM an mich liefern zu lassen, welches ich dann in Ruhe vor dem Kauf testen könne. Ausserdem lieh er mir netterweise auch noch zwei 17mm Super-Plössl, denn (noch) besitze ich keine Okularpaare.

Prompt am nächsten Tag brachte der Postbote ein grosses Paket von AOM, und am Nachmittag stand Robert mit den Okularen vor der Tür - wow. Das nenn ich Service, besten Dank an dieser Stelle an die Beiden!

Lieferung und erste Eindrücke

Aus dem erdbeben-sicher verpackten Paket von AOM kam eine silberne Schatulle zum Vorschein, in der das Bino, ordentlich in Schaumstoff gepolstert, gelagert und transportiert werden kann. Immer noch skeptisch und mit spitzen Fingern nahmen Robert und ich das gute Stück in Augenschein.

Angesichts des Preises erwartete ich ordentlich Kunststoff - weit gefehlt, das Bino fühlt sich massiv und solide an. Das Gehäuse besteht - bis auf die schwarzen, aufgesetzten Griffschalen - aus Metall. Der Augenabstand lässt sich durch "knicken" des Binos, ähnlich wie beim Fernglas, einstellen. Die Mechanik ist ausreichend schwergängig, und läuft satt und ohne Hänger - genau wie auch der Dioptrienausgleich, der sich durch Drehen der Okularaufnahme einstellen lässt. Nichts wackelt, nichts klemmt - der erste Eindruck ist schon mal positiv.

Ein schnelles Durchsehen zeigte keine Hinweise auf Doppelbilder. Am Rand des Gesichtsfeldes ist eine Linie erkennbar, an der sich das Licht bricht - vermutlich die Kanten eines Prismas, die aber ausserhalb des vom Okular genutzten Bereiches liegen dürften. Obwohl die Öffnungen des Binos mit Kunststoffdeckeln verschlossen waren, erkennt man auf den Prismen ein paar Staubflusen. Nun, das ist wohl immer so, und lässt sich entfernen, wenn es zu viel wird...

Erster Test am Tage (13.04.2005)

Testgeräte: Ylena 85, Vixen Amici-Prisma, 2x 17mm SuperPlössl und 1x Panoptic 19mm

Das Wetter - wie sollte es anders sein - machte keine Hoffnung auf eine Beobachtungsnacht, daher montierte ich das 85mm Ylena auf ein Fotostativ, und machte mich mit Amici-Prisma und Bino an erste Tests am Tage.

Die Okulare lassen sich sich gut in die sehr knapp gedrehte Okularfassung einsetzten. Die knappe Fassung ist kein Nachteil, sondern notwendig, damit die Okulare sauber zentriert und wacklefrei in der Fassung sitzen. Weniger gut gefällt mir die Schraube, die zur Klemmung der Okulare dient - die Wandung der Okularfassung, die an sich sehr massiv ist, ist ausgerechnet an der Stelle, wo das Gewinde für die Schraube geschnitten ist, recht dünn, so dass die Schraube fast bis zum herausfallen losgedreht werden muss, um das Okular einzusetzen. Hier muss man aufpassen, das sich die Schrauben nachts beim Okularwechsel nicht selbständig machen, und für immer in der Wiese verschwinden...

Doch nun zum Wesentlichem, dem ersten visuellen Eindruck: Auf ein Auge war die Antenne des entfernten Hausdachs schnell scharfgestellt, und nach einem leichten Dreh an der Okularfassung war auch das andere Auge mit der Schärfe einverstanden. Die kleine Ylena hat satt Backfokus, um mit dem Bino in den Fokus zu kommen. Nach sorgfältiger Einstellung des Augenabstandes suchte ich nach "Doppelbildern" - aber zum Glück vergeblich. Längere Zeit schaute ich mir nun die filigranen Elemente der Antenne an, und konnte nichts negatives feststellen. Der Einblick in die 17mm Plössl war bequem, nichts strengte an. Nach kurzer Zeit betrachtete ich ganz entspannt die Antenne, und stellte mir vor, es wäre der Mond... seufz, überall Wolken...

Ich setzte nun ein Plössl direkt in das Amici, um zu schauen, wie stark das Bino die Bildqualität herabsetzt. Ohne Bino war das Bild deutlich heller, aber das mehr Details oder eine bessere Schärfe erkennbar wurden, kann ich nicht sagen. Das ein Bino Licht kostet, ist klar, und dass es die Bildqualität am Tage nicht erkennbar herabgesetzt wird, ist schon mal gut - genauere Erkenntnisse wird der Test am Stern liefern.

Ich probierte ausser den 17mm Plössl noch ein 19mm Panoptic - und zwar genau eines. Hier wurde am Rand des Gesichtsfeldes eine Abschattung sichtbar. Das war wohl ein bischen viel verlangt: ein 19mm - Okular mit 68° scheinbarem Gesichtsfeld bekommt die Grenzen des Durchlasses gezeigt. Aber immerhin- gut 90% vom Gesichtsfeld des Panos waren nutzbar, ein 19mm/60° - Okular sollte noch gehen, denke ich.Es ist kein Grossfeldbino - aber Tunnelblick ist so auch nicht zu befürchten.

Fazit der Tagbeobachtung:

+ gut justiert, keine Doppelbilder erkennbar
+ gute Schärfe, keine Farbränder erkennbar
+ Schatulle für Transport und Lagerung
+ solide Verarbeitung
+ Durchlass gut bemessen
o deutlicher Lichtverlust (bei Binos normal)
- Schrauben der Okularklemmung können leicht verlohren gehen

FirstLight - durch die Wolkenlücken (14.04.2005)

Zwischen den fetten, schnellziehenden Wolken blinzelten ein paar helle Punkte - richtig klar war es dort auch nicht, eher etwas neblig, aber einen Versuch mit dem kleinen Ylena war es allemale wert. Vielleicht kommt ja doch noch die ein oder andere Lücke daher... immerhin, eine gute halbe Stunde konnte ich mich auf Jupiter, Saturn und den Mond stürzen.

Jupiter: stand leider noch recht tief, gleich über Nachbars Dachgiebel, dazu noch durch Nebelschleier - das wird kaum was werden. Die Wolkenbänder des Jupiter waren wohl auszumachen, auch Monde dimmten ab und an durch den Nebel, und es waberte wie kochende Kartoffelsuppe. Die Wolkenbänder waren wohl erkennbar, aber damit hatte es sich dann auch.

Saturn: stand schön hoch, aber die Helligkeit der Nebelschleier zeigte deutlich: der Mond ist nicht fern... Die 17mm Plössl liefern bei den 1,2m Brennweite des Ylena gut 70x Vergösserung, nicht viel für den Planeten. Im Bino war er trotzdem schön anzuschauen. Nicht gerade überragend hell - aber Bino und Wolken fressen eben Licht. Ab und an strahlte der "Herr der Ringe" dann aber doch auf, wenn eine kleine, klare Wolkenlücke den Blick freigab. Und dann tauchte auch die Cassini-Teilung auf - schwach, nicht umlaufend, aber erkennbar, und in ruhigen Sekunden knackig scharf. Trotzdem - den Saturn kenne ich im Ylena auch anders, Cassini ist an sich nie ein Problem - also weg mit dem Bino, und nur ein 17mm Plössl in den Zenitspiegel. Wär ja gelacht... ups? Was ist der Saturn plötzlich klein? Im Bino kam er mir lässig doppelt so gross vor! Gut, dafür war er jetzt heller - aber mit Cassini hatte ich auch so wenig Erfolg - ab und zu erkennbar, nicht umlaufend - durchaus der gleiche Eindruck wie mit Bino. Also hab ich es wieder angebaut und noch eine Weile den Saturn betrachtet. Die gefürchteten "Doppelbilder" tauchten nicht auf, ebenso empfand ich die "einäugige" Beobachtung deutlich anstrengender als die Beobachtung mit dem Bino. Schon nach kurzer Zeit beobachtete ich völlig entspannt den Planeten, fixierte ihn, die Feldblenden verschwanden aus der Warnehmung, und Saturn "zoomte" quasi noch ein Stück näher heran... diesen Effekt erreiche ich bei einäugiger Beobachtung nur mühsam. Wenn ich wegen Umgebungslicht das ungenutze Auge zukneifen muss, gelingt mir das so gut wie nie.

Mond: die ca. 1/3 Sichel stand ebenfalls schön hoch, und ich erwischte eine richtig schön grosse Wolkenlücke. Der Mond füllte gut 80% des Gesichtsfeldes aus, und zeigte einen herrlichen Terminator. Schwierigkeiten hatte ich beim Scharfstellen, ein Auge schien immer unscharf zu sein - der Dioptrinausgleich funktionierte zwar, allerdings erschien mir der Mond über einen recht weiten Einstellungsbereich scharf. Vermutlich hat das Auge auch noch ein bischen "nachgeholfen"... ich versuchte daher eine Einstellung, indem ich das Okular lockerte und ein wenig herauszog. Das klappte besser - beim Saturn hingegen hatte ich mit dem Dioptrinausgleich keine Probleme. Der Anblick war Eindruckvoll - scharf, detailreich.. ich wünschte mir noch etwas mehr Vergösserung, um ein wenig auf dem Mond "spazieren zu gehen". Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, sehr schnell entspannt zu beobachten. Es fiel sehr leicht, sich einen Krater herauszupicken, und dessen Tiefe mit den Augen auszuloten. Die Schatten der Krater und Berge im Streiflicht erzeugen auch schon bei einäugiger Betrachtung einen guten Eindruck der Höhenstaffelung, dieser Effekt kam mit dem Bino noch stärker durch. Und als dann noch die ersten Wolken wie Rauchschwaden vor dem Mond durchzogen, gewann das Bild noch mehr an Tiefe. Zwischendurch warf ich auch noch einen Blick ohne Bino auf den Mond - heller war er, klar, aber auch kleiner kam er mir vor - mit Bino erschien er vielleicht um 1/4 grösser. Beim Saturn war der Effekt stärker - vielleicht kommt das daher, das der Mond das Gesichtsfeld stärker füllte, und somit der "Grössenvergleich" zu den Feldblenden der Okulare mit eingebracht wurde.

Fazit der ersten, kurzen Beobachtung:

Abbildungsleistung und Justage erscheinen nach wie vor gut, die Beobachtung mit dem Bino strengte auch nicht an - im Gegenteil. Keine Spur von Doppelbildern oder Farbsäumen. Allerdings war ich doch überrascht, wie viel Licht das Bino kostet.

FirstLight mit dem Intes Micro 703 (22.04.2005)

Eine klare Nacht mit fast vollem Mond - endlich Gelegenheit, das Bino am 7"er zu probieren.

Mond: Fast voll, aber noch mit ordentlichem Terminator. Wieder ist es mir recht schwergefallen, die Okulare so einzustellen, dass das Bild für beide Augen scharf war. Dann allerdings zeigten sich die Krater knackscharf. Es war eine Freude, am Terminator entlang zu "wandern". Die Krater wirkten plastisch, von den gefürchteten Doppelbildern auch im 7" keine Spur. Als Vergleich zum Bino mit 17mm Plössln setzte ich ein 10mm Pentax XW ein, welches ein deutlich helleres Bild zeigte, aber etwa den selben Grösseneindruck vermittelte. Das Pentax zeigte deutlich mehr Kontrast als das Bino, welches wiederum ein viel entspannteres Beobachten ermöglichte.

Jupiter: Die Monde des Jupiters wirkten - je nach Helligkeit - im Raum gestaffelt zu sein, hier kam "3d feeling" auf. Auch der Planet selber wirkte - trotz der geringen Vergrösserung - erstaunlich gross und zeigte viele Details: Die Wolkenbänder zeigten Strukturen, die Polarbereiche hoben sich deutlich ab und auch hier waren Bänder als feine Streifen erkennbar. Ein wenig Seeing störte das Bild. Im Pentax wirkte Jupiter wiederrum ähnlich gross, allerdings nun mit starken Störungen durch Seeing, die die Wolkenbänder teilweise verschwinden liessen. Auch hier: keine Doppelbilder, sehr entspanntes beobachten.

Double Cluster: NGC869 und NGC884 waren schön weit weg vom Mond, und damit "erreichbar". Erfreulicherweise zeigte der Doppelhaufen viel mehr Sterne, als ich zu hoffen wagte. Der Lichtverlust im Bino ist enorm, trotzdem war der offene Sternhaufen ein echter Blickfang. Auch hier wirkten helle und dunkle Sterne im Raum gestaffelt. Der das 10mm Pentax zeigte - aufgrund der deutlich helleren Abbildung - deutlich mehr Sterne. Ein wunderschöner Anblick, sowohl im Bino als auch im Pentax.

Leider verschlechterte sich das seeing im Verlauf des Abends dramatisch, Saturn gab ausser gewaber leider nichts mehr her.