Losmandy GM8

Obwohl die H-EQ5 im Grunde meine Erwartungen soweit erfüllte - wenn auch die fotografischen Eigenschaften besser sein könnten - schlug ich bei einem Gebrauchtverkauf einer GM8 mit Gemini-Gotosteuerung zu. Und das hat sich gelohnt.

Das Stativ besteht aus massiven Alu-vierkantfohr und ist einfach Ausziehbar. Dicke Klemmschrauben und ordentliche Überlappungen sorgen für Stabilität. Auch der Anschluss der Stativbeine an den Montierungsträger ist Massiv und ohne Wackel. Der einzige Kritikpunkt: bei ordentlich Kälte lassen sich die Stativbeine nur schwer zusammenschieben - nun, damit kann ich gut leben :)

Der Montierungskopf ist massiv Alu und mit einstellbaren Rutschkupplungen ausgestattet. Diese Rutschkupplungen funktionieren bestens, bis irgentwann Fett aus den Lagern auf die "Bremsscheiben" gerät - dann hilft nur Auseinanderbauen und putzen. Das geht recht einfach: die Einstellschrauben der Rutzschkupplung abschrauben, den Federring samt Scheiben abnehmen und schon lässt sich die komplette Achse aus den Lagern ziehen. Die "Bremscheiben" befinden sich in Form großer Kunststoffscheiben am anderen Ende der Achsen. Diese Scheiben und die Auflagen müssen vom Fett befreit werden, und schon klappt alles wieder wie gewohnt. Bisher wurde es bei mir etwas einmal Jährlich nötig, und ist in 20min erledigt.

Etwas Wartung brauchen auch die Schnecken: Damit die Montierung perfekt fotografisch funktioniert, ist ein ganz leichtes Schneckenspiel nötig. Dazu nimmt man Motoren und Getriebe ab, ebenfalls wird die Schneckenabdeckung entfernt. Nun kann die Schnecke eingestellt werden, wobei man den Erfolg gleich prüft, indem man die Schnecke per Hand durchdreht. Die Schnecke sollte sich perfekt leicht drehen lassen, dabei zeigt die Achse ein ganz leichte Schneckenspiel auf: Kaum merklich, man hört gerade so ein leichtes "Klack", wenn das Schneckenrad auf der anderen Flanke anstösst, wenn man die Achse manuell hin und herdreht. Ich kann nur dazu raten, die Schnecke zuletzt einmal komplett (24h - Drehung in RA) per Hand durchzudrehen, denn bei zu knapper Einstellung blockiert die Schnecke recht schnell. Fotografisch wird das Teleskop dann so angebaut, das es grade eben NICHT im Gleichgewicht ist, sondern immer ein bischen Zug auf EINE Schneckenflanke bringt.

Der Schneckenfehler ist gut periodisch und um 8", insgesamt lässt sich die Montierung trotz gut 14kg Zuladung sehr gut fotografisch nutzen - allerdings ist mein Intes 703 auch ein recht kurzbauendens Teleskop. Manuelles Guidung ist recht langweilig: Man sitzt viel, friert viel, und drückt ab und an mal ein Knöpfchen auf der Steuerung...

Die Gemini Goto-Steuerung ist ebenfalls ein feines Teil. Obwohl nur eine kurze Display-Zeile zur Verfügung steht, lässt sich dank geschickter Bedienungsführung alles flott erreichen - ein bischen gewöhnen muss man sich allerdings an die Bedienung. Dafür wird man dann allerdings im dunklen mit wenig Tasten-verwirrung und einer schnellen und sicheren Bedieung belohnt. Die Steuerung nutzt einen mehrfach-Align, es können "beliebig" viele Sterne und Objekte für den Align herangezogen werden. Jeder Align korrigiert das mathematische Modell, welches Aufstellungsfehler ausgleicht. Erfahrungsgemäß reichen 2-3 Sterne aus, um auch mit kurzen Okularbrennweiten das Zielobjekt im Gesichtsfeld zu haben. Eine weiere nette Funktion hilft bei der Aufstellung: nachdem man mit dem sehr guten Polsucher die Montierung ausgerichtet hat, kann man - ähnlich wie bei der Scheiner-methode - die Ausrichtung weiter verbessern. Dazu fährt die Montierung abwechselnt Sterne an, die man dann nur duch Korrektur der Ausrichtung zentriert. Nach ein paar Durchläufen ist die Ausrichtung so gut, das auch Belichtungszeiten von 30min mögich sind (die Ausrichtung nur mit dem Polsucher ermöglicht häufig ca. 10min Belichtungszeit, was oft reicht).

Fazit: Die Montierung ist sehr mobil, sie lässt sich samt Sativ bequem tragen. Die Wartung ist recht einfach, die Genauigkeit ist mindestens gut, und die Steuerung in viellerlei Hinsicht so gut, das man über das knappe Display leicht hinwegkommt. Inzwischen schleppt die Montierung auch meinen 12" Selbstbau (f/5, dank Kohlefaser nur ca. 15kg mit schwerem Okular, aber mit langem Hebel) für visuelle Zwecke.