Synta H-EQ5 mit MTS3

Nach der Pleite mit der Astro 5 endschied ich mich für ein größeres Kalieber: eine H-EQ5. Ab Werk bereits motorisert, war sie mit verschiedenen Steuerungen erhälltlich: neben der original-Steuerung, die für die Fotografie praktisch unbrauchbar ist, war auch die Boxdörfer MTS3 verfügbar, die ich dann auch bestellte.

Das Stativ der Motierung besteht aus massiven Stahlrohr, einfach ausziehbar. Der erste Eindruck: "da wackelt nix". Insbesondere dann, wenn das Stativ nicht ausgezogen eingesetzt wird, ist es auch wirklich sehr belastbar. Ein leichtes, hochfrequentes Schwingen resultierte jedoch aus der Steifigkeit, jedoch dauerte es nur für ein bis zwei Sekunden an - damit muss man bei nahezu jeder Montierung leben.

Die Montierung selber erscheint zunächst massiv, und das bestätigt sich auch in der Anwendung. Das Ding ist ordentlich schwer, an Material wurde nicht unbedingt gespart. Auch der Aufbau lässt wenige Schwachstellen erkennen, die zu einer Instabilität führen könnten. Die Tragkraft der Montierung ist daher auch beachtlich und liegt sicherlich im Bereich der sehr guten Vixen GP-DX.

Die MTS3 Steuerung ist ein schönes Stück Technik: Sauber aufgebaut, hochwertiges Material und Komponenten. Hier wurde einige Technik mit viel Rafinesse und Sorgfalt in ein sehr handliches Gehäuse gebaut. Man sieht der Steuerung an, das sie mit "Herzblut" und "Tüftelei" entwickelt wurde - nicht vergleichbar mit industriellen Massenprodukten, die man überall kaufen kann. Die Steuerung kommt ohne zusätzliche, externe Gehäuse aus, hat nur wenig Bedienelemente - und doch ermöglicht sie feinste Teleskopsteuerung, ist recht leicht zu bedienen und kann sogar an einen PC oder Guider angeschlossen werden. Neue Firmware ermöglicht sogar Goto-Steuerung, wobei jedoch ein recht unhandliches Display montiert werden muss. Ein großer Vorteil der Steuerung ist die Kompaktheit: Im "Feld" ist sie wunderbar einsetzbar, und Goto kann man sich auch über ein Notebook basteln - das man bei der Fotografie oft ohnehin mit dabei hat.

Nun, die Stromversorgung war schnell hergestellt, und die Steuerung wird über ein Kabel an der Montierung angeschlossen. Doch - scheinbar laufen die Motoren nicht. Bewegt man die Montierung über die Steuerungstasten im Fast-Modus, dann hört man die Motoren und sieht die Montierung drehen, aber scheinbar führt sie nicht nach. Das Problem erledigte sich schnell von selber: die Motoren waren im Nachführmodus praktisch unhörbar leise, und die Bewegung der Montierung wurde natürlich erst nach einiger Zeit sichbar. Die Microschritt-Steuerung der MTS3 lief so sauber, da habe ich mich foppen lassen :)

Fotografisch machte die Montierung jedoch wenig Freude: der "Schneckenfehler" war nicht periodisch, er war schnell und groß (> 50" und zwar in beide Richtungen, also > 100"pp). Also habe ich die Montierung auseinandergebaut, gereinigt, entgrahtet, neu gefettet... und das Schneckenspiel eingestellt, was bei dieser Montierung wirklich eine Kunst ist. Das brachte jedoch nur eine geringe Verbesserung. Scheinbar waren die Getriebe der Motoren problematisch.

Da die Originalmotoren ohnehin nur ein sehr gemächliches Arbeitstempo an den Tag legten, suchte ich nach besseren Motoren und Getrieben und fand sogar einen Motor, der in das Gehäuse der H-EQ5 passte, ohne das dort bauliche Veränderungen vorgenommen werden mussten. Lediglich die Montageplatte benötigte neue Bohrungen für die Schrauben, mit denen der Motor befestigt wurde. Der ganze Umbau war in kaum einer halben Stunde erledigt, und das Ergebnis liess sich sehen: Dank der weiten Konfigurierbarkeit der MTS3 liefen die Motoren in bester Genauigkeit und ermöglichten etwa 350x Goto-Geschwindigkeit. Hätte die MTS3 noch mehr Ausgangsleistung gehabt, wäre vermutlich auch noch mehr möglich gewesen. Der "Schneckenfehler" reduzierte sich etwa auf den wirklichen Schneckenfehler, der jetzt sogar einigermassen periodisch aussah und besser als 20"  (40" pp) war. Zusammen mit der Korrekturfunktion der MTS3 liess sich der Fehler gar auf ca. 10" reduzieren - es blieb jedoch ein recht unschönes Gezappel übrig.

Fazit insgesamt: Eine sehr schöne Montierung für den visuellen Einsatz, fotografisch jedoch erst nach einigen Umbauten verwendbar - und auch dann nur bedingt. Das gute Preis-Leistungsverhältnis gilt nur für den visuellen Einsatz und ist - rechnet man eine gute Steuerung, bessere Motoren / Getriebe, ggf. auch Lager mit - für den fotografischen Einsatz eher durchschnittlich.