Astro 5

Nachdem ich einige Jahre das Astro-Hobby ruhen ließ, musst nun doch wieder ein Teleskop her. Ein Refraktor sollte es sein, natürlich parallaktisch montiert. Es wurde ein 4" FH-Refraktor aus chinesischer Produktion, recht klein und mit f/6 ein echter Farbfernseher, der nur kleine Vergrösserungen ermöglichte. Als Montierung riet mir ein serviceorientierter Teleskophändler zur Astro 5, die auch ausreichend Reserven für die Fotografie haben solle. Das Paket kam an, die obligatorischen 14 Tage Schlechtwetter gingen vorbei, und - es kam die Ernüchterung.

Die Astro 5 ist grundsätzlich der Vixen GP ähnlich. RA- und DEC-Achsen sind in Gleitlagern montiert und motorisierbar - auch die Befestigungen für die Motoren sehen ähnlich aus. In der Tat war das Grössenverhältnis zwischen Montierungskopf und Teleskop recht gesund. Jedoch liegt die Tücke im Detail.

Das Stativ ist aus Aluprofilen aufgebaut. Im oberen Teil sind 2 Stränge an die Montierung geschraubt, aus denen ein einzelner Strang ausgezogen werden kann. Wegen der gewichtsoptimierten Wandstärke dieser Stränge ergibt sich an der Befestigung zur Montierung ein handfestes Problem: dreht man den Montierungskopf, so verwinden sich die Stränge. Das Ganze wirkt fast wie eine Trosionsfeder, der Montierungskopf schwingt in einer Drehbewegung ganz langsam aus...

Die Gleitlager waren bei meiner Montierung mit sehr großzügigem Spiel versehen, das durch ein klebrig-zähes Fett (Chinahonig genannt) ausgeglichen wurde. Trotzdem hatten die Achsen durchaus noch Bewegungsfreiheit, was ebenfalls zu Schwingbewegungen führte.

Die Beobachtung - selbst mit dem kleinen Refraktor - war nicht sehr spassig. Jede Berührung von Teleskop oder Montierung führte zu hefigen, recht lang andauernden Schwingungen. Das Scharfstellen artete in ein Schätzspiel aus, denn das Gewackel ließ keine ordentliche Beurteilung des Bildes zu.

Die Astro 5 dürfte, wie viele Montierungen chinesischer Herkunft, von einer beachtlichen Serienstreuung betroffen sein. Vielleicht hatte ich ja ein besonders schlechtes Exemplar erwischt - ich vermute es fast, denn die Montierung war wirklich extrem wackelig. Zum Glück nahm der serviceorientierte Teleskophändler die Astro 5 im Austausch gegen eine H-EQ5 wieder zurück.